Disturbanity // Interview
Alter, Ort, Ausbildung?

36, Berlin, GrafikDesign_Diplom. Wichtige Teile meiner Ausbildung fanden allerdings nicht im Studium, sondern in weit weniger offiziellem Rahmen statt. =)

Wie lange wohnst du dort?

Seit Januar 2007, zuvor war ich im Ruhrgebiet zuhause.

Woher nimmst du die Inspiration für deine Bilder?

A) Short Version: Sound, Bücher, Frauen, Strasse, natürliche Decollage, Natur, Architektur, Fotografieren, Comic, Graff, Pochoirs, Wettbewerb, Liebe, Leidenschaft, Wut, Durchhaltevermögen

B) Long Version: DISTURBANITY. Disturbanity ist die riesenhafte Ansammlung von Einblicken und Aussichten, die im täglichen urbanen Leben koexistieren, sich aber einem Label entziehen, nicht offiziell als ästhetisches Phenomen oder Style gelten. Disturbanity ist ein ständig sich fortsetzender Prozess zufälliger Collage, sei es das Zusammenspiel von Srommasten und Kabeln, Gebäudeshilouetten und Bäumen. die sich als grafische Elemente vor dem Himmel kreuzen, gekratzte Strukturen auf den Rückseiten verdreckter Verkehrsschilder, verrottete Plakatwände oder Tag-überzogene Oberflächen und Untergründe. Disturbanity ist mein VISUAL HIGH. Wir stehen in Symbiose - ich nehme die Einflüsse auf und reflektiere sie, re-kreiere und re-produziere wiederum »Disturbanity«. Ich sehne mich kaum nach klassischer Schönheit, wenn ich ihr auch mit grosser Achtung gegenübertrete - meine Imagination wird aus anderen Quellen gespeist. Die zersplitterte Wahrnehmung der mich umgebenden Realität wiederzugeben, das ist eine inspirierende Aufgabe. Ich glaube, dass die Unstetigkeit, in variierenden Formen und auf vielerlei Terrain, dem Kern unseres Wesens, unserer Natur viel eher entspricht, als wohlgemeinte und durchdachte Versuche zur Etablierung von Ordnung. Disturbanity entspricht dieser Einsicht wie auf der ästhetischen Bühne einer konstruierten Insel, wo auch Verfallsprodukte, Ruinen und Reste perfektes Baumaterial sein können. Disturbanity findet sich in den Urban Wastelands, in der ruhigen und stillen Atmosphäre der niemals im Spotlight der Aufmerksamkeit liegenden Orte: unter den Eisenbahnbrücken nicht mehr genutzter Strecken, in den Hallen verfallender Industriegelände ist sie lebendig. Sie ist dort besonders intensiv, wo Du dich nicht aufhalten darfst, kann sexy und erschreckend im gleichen Moment sein, sie ist für manche verstörend und befremdlich, für andere Bezugspunkt zur Identifikation. Ihre MESSAGE ist kryptisch für die einen, offensichtlich für die, die auch DADA sprechen und hören können. Disturbanity ist NICHT »Disorder« - sie arbeitet mit der Unordnung, sie zieht eine Linie zwischen willkührlichen Chaos und dem gezielt Konstruierten und umschliesst beide in einem Kreis. Ich habe mich stets für Dinge begeistert, die polarisieren. Ich habe in den Subkulturen Bezugspunkte an wilder Energie, Ehrlichkeit, Direktheit und Inspiration gefunden, die mein Leben und mich geprägt haben wie keine Schule und kein Studium es vermochte. Ich habe aber nie willkürlich gesetzte Grenzen beachten können - für mich sind und waren so auch die verschiedenen (mittlerweile eher ehemaligen Gegen-) Kulturen immer verwandt in ihren Wesensarten. Eine Einschränkung würde dem ihnen allen gemeinsamen Apell zur Verwirklichung völlig zuwiderlaufen - so ist auch Disturbanity wohl verwandt mit Neo-Dada, Urban Contemporary, Decollage und Industrieromatik, Pop Art, Street, Punk und GraffitiWriting, Allover Painting oder »Zeitgenössischer Illustration«, ist roh oder raffiniert, aber sie entspricht nicht den verordneten Labels, sie nimmt sich die Freiheit, sie selbst zu sein. Der Künstler ist kein Angestellter der Regierung.

Was ist deine Lieblingsfarbe?

Schwarzweiss einerseits, Schwarz gebrochen durch Volltöne andererseits, pralle Comicfarbgebungen wie bei Robert Crumb oder Vaughn Bodé dritterseits, aber ebenso erdige und ungesättigte Farbkombinationen: es kommt ganz drauf an. Manchmal auch nur Chrom/Schwarz =).

Wann bist du am produktivsten?

Jahrelang hauptsächlich Nachts, derzeit auch Morgens... =) Man muss wechseln, es ist schlecht, immer im gleichen Rhythmus zu bleiben.

Wo machst du am liebsten Urlaub?

Am beeindruckendsten als Land fand ich bis dato Rumänien. Generell ziehe ich es vor, Länder zu durchreisen, anstatt an einem Ort zu bleiben.

Was für Musik hörst du gern?

Musik spielt eine sehr wichtige Rolle. Passend zum Visuellen, ganz nach Vibe, genreübergreifend: Minimal Wave, NDW, Punk in diversen Styles, 80er Goth/Deathrock, Screamo/D.I.Y./Oldschool Hardcore. In Sachen Rap bevorzugt Westcoast Ganxta Sound, auch einige deutsche Sachen.

Sind dieses Jahr Ausstellungen geplant?

Ja: Eine Ausstellung lief bereits in Januar und Februar, aktuell sind Arbeiten in der Berliner Meisterschüler Galerie zu sehen. Im Herbst werde ich in Zürich bei einer Gruppenausstellung teilnehmen, ich bewerbe mich zur ART RMX Cologne... weiteres ist in Planung - ich bin derzeit besonders auf der Suche nach interessanten Kontakten zu Galerien. Was aktuell stattfindet, wird auf disturbanity.com, sowie auf myspace.com/disturbanity nachzulesen sein.

Auf welchem Material arbeitest du am liebsten?

Skizzenbuchseiten, Yerox Copy-Papier, Screen, Industriehallenwand, Treibholz, Leinwand...

Was sind deine Werkzeuge? (besondere Stifte, Farben etc.)

Auge, Sprühdose, Bleistift, Schere, Kleber, Kamera, Kopierer, Scanner, Maus, Vector, Pixel, Teppichmesser.

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