Formfieber // Interview
Alter, Ort, Ausbildung?

Ich bin 1983 geboren und wohne in Dortmund. Habe Abitur gemacht, dann Zivildienst und nach kleiner Auszeit mit dem Grafikdesign-Studium an der FH Dortmund begonnen (seit 2005)

Wie lange wohnst du dort?

Seit 1986, davor in Bochum.

Woher nimmst du die Inspiration für deine Bilder?

Inspiration beziehe ich sowohl aus der Realität als auch der Fantasie.. Träume können ebenso Anlass sein, etwas zu illustrieren, wie einfach eine bestimmt Gefühlslage oder Stimmung.. aber auch ein aktuelles Erlebnis oder einfach nur ein guter Film oder die richtige Musik können schon für inspirierende Momente sorgen. Oder die Interaktion mit anderen Menschen oder auch Künstlern, ein Gespräch, ein Witz, eine absurde Situation...

Was ist deine Lieblingsfarbe?

Ganz schwer zu sagen. Wechselt eigentlich ständig. In meiner täglichen Umgebung schätze ich gedeckte, nicht allzu intensive Farben, um das Auge nicht zu überfordern. Beige-, Grau- oder Olivtöne... also die Farben, die man auch in der Natur wiederfindet. Orange mag ich nich so gern, alles andere nutze ich eigentlich regelmäßig ...

Wann bist du am produktivsten?

Tendenziell neige ich dazu, die nötige Ruhe und Ausdauer zu finden, wenn die Sonne nicht mehr scheint und die Menschen draußen etwas ruhiger werden. Habe schon einige Nächte komplett genutzt, um etwas fertig zu bekommen, um dann ins Bett zu gehen, wenn der Rest der Welt Arbeiten geht. Klar kann ich auch tagsüber arbeiten, ich mag es auch im Sommer mit einem Skizzenbuch unterwegs zu sein. Fotografieren ist tagsüber eh meist sinnvoller. Ich denke auch, dass gerade die Überwundene Müdigkeit verborgene Kreativität freisetzt.

Wo machst du am liebsten Urlaub?

Definitiv im Süden! Am liebsten Strand, schön sonnig, richtig heiß und am besten für immer! Bevorzuge die Mittelmeerregionen Westeuropas, will aber auf jeden Fall noch möglichst viel von der Welt mitbekommen.

Was für Musik hörst du gern?

Zwischen Electro und Gitarrenmusik ist vieles möglich.

Sind dieses Jahr Ausstellungen geplant?

Konkret gibt es keine Termine, angedacht ist auf jeden Fall wenigstens eine Ausstellung.

Auf welchem Material arbeitest du am liebsten?

Ich mach das meiste auf diversen Papieren/Pappen, bin aber was Materialien betrifft offen für alles. Sehr beliebt in letzter Zeit bei mir sind die Restholzstücke aus diversen Baumärkten, die man für lau mitnehmen kann. Finde es generell interessant, mit ungewöhnlichen Untergründen zu arbeiten. Originelle Lösungen können auch durch dreidimensionale Malgründe entstehen, Kisten, Kartons whatever...

Was sind deine Werkzeuge? (besondere Stifte, Farben etc.)

Kugelschreiber, Bleistift, Polychromos, Copic(-Fakes), diverse Marker, Sprühlack, Lack, Acrylfarbe, Tempera, Kohle, Kaffee, Wein, Pinsel, Spachtel, Schwämme, Tücher, Cutter, Schablonen jeder Art, Wacom Grafiktablett, Scanner, Kopierer, Zeitung/Zeitschriften etc. pp.

Woher nimmst du die Inspiration für deine menschlichen Charakter?

Ich sorge eigentlich ständig für einen hohen Input, schau mich auch viel im Netz um, was auf den Straßen der Welt so passiert. Auf Reisen ist die Kamera ein ständiger Begleiter, und in Großstädten bevorzuge ich es, selbst größere Strecken zu Fuß zurückzulegen, um wirklich nichts zu verpassen. Gerade die Street-Art-Kultur in ihren verschiedenen Ausprägungen (Sticker, Schablonen, Plakate, Objekte... ) fasziniert mich seit langem.

Manchmal ist es auch einfach das Verlangen, etwas selbst auszuprobieren, was man gerade neu ?entdeckt? hat, beispielsweise eine neue Technik oder Gestaltungsmöglichkeit. Die Neugier selbst ist dann die größte Motivation.

Seit zwei Jahren arbeite ich verstärkt an der Weiterentwicklung der Character, und lasse dabei verschiedenste Elemente einfließen... manches wird wieder verworfen, anderes behalte ich bei.. so entwickelt sich langsam meine eigene Formsprache, die hoffentlich dafür sorgt, dass die Figuren etwas unverwechselbarer werden. Derzeit arbeite ich am Körperbau der Figuren, experimentiere da auch noch herum und werde wahrscheinlich weiter so differenziert arbeiten wie bisher. Finde es auch weiterhin spannend, immer mal wieder eine neue Figur zu erfinden. Langfristig werde ich versuchen die Figuren in komplexere Situationen zu setzen, stärker illustrativ zu arbeiten.

Oftmals tragen meine Figuren eher die graueren Seiten des Lebens in ihren Gesichtern zur Schau. Ich will die Character nicht allzu klischeehaft, comicartig erscheinen lassen, sie sollen nicht einer perfekten Welt entspringen, die man so in der Realität nun mal auch nicht wiederfindet. Im Kontext der Urban Art geht es mir auch darum, die Verlierer der Gesellschaft zu zeigen, die Verbrauchtheit des Alltags, Falten und Alter bieten mir mehr Spielraum.

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