Felix Gephart // Interview
Alter, Ort, Ausbildung?

Ich bin Jahrgang 76 und lebe in Berlin. Habe ein Grafik-Design Diplom von der FH Dortmund und anschliessend 2008 meinen Master of Fine Arts an der School of Visual Arts in New York gemacht.

Woher nimmst du die Inspiration für deine Bilder?

Mein erster wirklich praegender Einfluss war Graffiitiwriting. Es begann bei mir mit reinem Wildstyle, den ich Ende der 80er fuer mich entdeckt habe. Kunst ausserhalb von Graffiti hat fuer mich zu dem Zeitpunkt nicht existiert. Damals konnte ich von Kaos, Amok und Some aus Berlin nicht genug bekommen. Spaeter habe ich dann angefangen, ausser Styles auch Character zu malen, viel vor Ort zu zeichnen, Illustrationen zu Geschichten zu machen. Die Welt draussen ist trist, grell, leise oder laut - aber nie wirklich neutral. Und surrealer ist genau genommen kein Dali. Umso intensiver sie wahrgenommen wird, desto mehr Tueren oeffnen sich. Bei guter figurativer Kunst ist man geneigt zu glauben, der Kuenstler habe das reale Vorbild nicht nur beobachtet, sondern selbst erfunden, man selbst saehe es zum ersten mal. Bilder machen ist Gott spielen, und manche sind in der Rolle sehr ueberzeugend. Und dann sind da ja noch die Werkzeuge: die Stifte, Federn, Pinsel und Spruehosen. Auch die sind nicht nur die Verbindung zwischen Kopf, Hand und Malgrund, sondern durch ihre speziellen Eigenschaften auch ganz wesentliche Ideengeber. Das wird gerne verkannt von jenen, welche die Illustration als reines "Handwerk" abtun. Meine grossen Murals sind von Holzschnitten angeregt, scharfkantig, ohne Farbnuancen, ohne weiche Uebergaenge. Die Natur der Spruehdose legt ein solches Arbeiten eigentlich gar nicht nahe. Inhaltlich beeinflussen mich besonders neue Sachlichkeit, Propagandaplakate und Karikatur. Rein formal bin ich eher im 19. Jahrhundert und davor zuhause. Das 20. haelt aber auch vieles bereit: phantastischen Realismus, Pop Art, Undergroundcomic und Graffiti. Manche der zeitgenoessischen, kritischen chinesischen Maler lassen die westliche, etablierte Messen- und Museumskunst unseres Kulturkreises ganz schoen schlecht aussehen.

Was ist deine Lieblingsfarbe?

Das war mal Schwarz, jetzt aendert die sich von Bild zu Bild. Den abwegigsten Farbton einkaufen - der wird dann irgendwannt alles rausholen.

Wann bist du am produktivsten?

So ungestoert wie nur moeglich. Das ist dann oft nachts. Das Klischee des introvertierten Kuenstlers. "Nur morgens fuehl ich mich unangenehm" - wie bei einem alten Idealsong.

Wo machst du am liebsten Urlaub?

So am Strand liegen meinst Du? Na die letzten Male war ich in China. Wenig erholsam, laut, eindrucksvoll, richtig fremd.

Was für Musik hörst du gern?

Da bin ich Nostalgiker. West Coast Gangsta Rap der 90er, Punkrock, NDW. Sphaerenmusik fuer Stimmungsbilder - Rap haelt bei konstant guter Laune und laesst keine Selbstzweifel aufkommen. Fuer zu Gedulsproben ausufernden Bilder sind Hoerbuecher das Richtige.

Sind dieses Jahr Ausstellungen geplant?

Die letzte war meine Einzeklausstellung Ende 2009 im A. Paul Weber Museum und eine Gruppenausstellung in der Box 32 in Berlin. Es geht weiter mit einer Gruppenausstellung im Superplan und dann Im Juni 2010 im Kunstraum Koeln. Auch auf der Stroke in Muenchen werde ich vertreten sein.

Auf welchem Material arbeitest du am liebsten?

Schweres, glattes Aquarellpapier. Gut grundierte weisse Waende - auch nicht schlecht.

Was sind deine Werkzeuge? (besondere Stifte, Farben etc.)

Tusche, Farbstift, Marker, Gouache, Spruehdose.

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